Falscher Rat?

30. Mai 2010 | 1.216 mal gelesen

“Anlageberatung”, so heißt eine 4-seitige Beilage zur Financial Times FTD vom 27. Mai 2010.

Im Artikel “Dramatische Versorgungslücke” rät dort dort eine Beraterin namens Kazemieh Frauen für die private Altersversorgung in erster Linie zum Abschluss von Fondssparplänen. Das Argument: Diese sind jederzeit auflösbar.

Das stimmt.

Stellt sich aber die Frage, was eine Altersversorgung wert ist, die vor Eintritt ins Rentenalter aufgelöst wird.

Ein bischen ökonomischer “Zwang” zur Fortführung und damit eben zur nicht vorzeitigen Auflösung ist gerade beim so existentiellen Thema Altersversorgung vielleicht gar nicht schlecht. So belohnt eine private Rentenversicherung – ganz anders als ein  Fondssparplan – denjenigen, der bis zum Ablauf durchhält, mit zum Teil sehr ansehnlichen Schlußgewinnanteilen. Dies motiviert naturgemäß dazu, den Vertrag durchzuhalten, also nicht vorzeitig aufzulösen und damit die Altersversorgung zu erhalten.

Natürlich kann dies im Einzelfall während der Vertragslaufzeit zu finanziell schwierigen Situationen führen, wenn Liquiditätsengpässe auftreten. 

Vermögensberater der DVAG Deutsche Vermögensberatung raten deshalb im Regelfall dem Kunden, zusätzlich zur privaten Rentenversicherung (z.B. monatlich 75 Euro) eine Liquidtätsreserve (z.B. monatlich 25 Euro Geldmarktfonds) aufzubauen. Diese schützt davor, die später dringend benötigte Altersversorgung auflösen zu müssen.


Kommentare für diesen Artikel (8)

  1. Uwe Dreyer, 30. Mai 2010 um 18:58 Uhr

    Manchmal ist es echt schade, dass sich manche Menschen so leichtfertig zu sehr wichtigen Themen äußern. Und noch schlimmer ist, dass so viele Menschen darauf hören, denn es hat ja in der Zeitung gestanden oder es wurde ja im Fernsehen gebracht. Solche existenziell wichtigen Themen wie
    z. B. die Alters- oder auch Gesundheitsvorsorge sind aber etwas anderes als ein Waschmittelfehlkauf oder ähnliches ! Gerade dort wartet auf alle anständigen Finanzdienstleister so viel Arbeit, denn gerade in Deutschland nehmen viele Menschen die Veränderungen in der Demographie einfach noch nicht wahr bzw. sind sich über ihre Verantwortung nach dem Motto “Früher an Später denken” nicht bewußt –
    leider auch durch so vereinfachende Aussagen wie im genannten Artikel.

  2. Norbert Strauß, 31. Mai 2010 um 08:07 Uhr

    Das Gute an der Vermögensberatung ist,dass ein Vermögensberater aufbauend auf eine gründliche Analyse genau abschätzen kann wie ein Betrag X am effektivsten eingesetzt werden kann – branchenneutral. Den jedes Produkt hat Vorteile und Nachteile. Das zu benennen ist die Aufgabe, die der Kunde bei einem Branchenvertreter in der Regel nicht hat. Darum auch immer Finger weg von allgemeinen Vorschlägen in den Medien.

  3. Harri Schultze, 31. Mai 2010 um 15:19 Uhr

    Sehr gefährlich finde auch ich solche allgemeinen Ratschläge. Was geschrieben steht, das wird geglaubt. Auch dann, wenn es gar nicht auf die individuelle eigene Situation passen kann.

    Dieser Verantwortung sollte sich jeder Autor und Redakteur immer bewusst sein. Einen konkreten Ratschlag als allgemeingültig zu formulieren, ohne die individuellen Voraussetzungen, Wünsche und Ziele seiner Leser zu kennen, das geht am Ziel einer bedarfsgerechten Beratung deutlich vorbei.

    Jetzt haben wir ja zum Glück ein Versicherungsvermittlungsgesetz und damit eine vorgeschriebene Vorgehensweisen die sicherstellt, dass kein Berater mehr Empfehlungen aussprechen darf ohne ein Minimum an Kenntnis über die Situation des Beratenen und seiner Situation zu haben. Für Veröffentlichungen gilt das leider wohl nicht.

    Oder gibt es für solche Fachbeiträge auch eine Beraterhaftung?

    Das frage ich mich regelmäßig, wenn ich solche Beiträge in der Zeitung, Fachzeitschriften oder auch im Fernsehen mitbekomme.

    Auf wenige wird der einzelne Bericht/Rat vielleicht passen, bei vielen ist der angerichtete Schaden groß.

    Meine Emfpehlung ist es, sich einen kompetenten persönlichen Berater seines Vertrauens zu suchen und mit diesem dauerhaft eng in allen wichtigen Themen rund um Vorsorge, Finanzen, Finanzierung, Absicherug und Fördermöglichkeiten zusammen zu arbeiten.

  4. Wolfgang Reinhardt, 31. Mai 2010 um 17:06 Uhr

    Wie ist das denn im medizinischen Bereich?

    Selbstverständlich gibt es hier Ratgebersendungen, Literatur zum Nachschlagen, und inzwischen auch Online-Portale. Ich finde das gut, denn dadurch werde ich als Patient in die Lage versetzt, vor der Konsultation meines Arztes vorab einmal zu recherchieren. So fühle ich mich etwas weniger “ausgeliefert”.

    Nun ist jedermann klar, wie er die recherchierten Fakten zu bewerten hat, und dass diese natürlich in keinster Weise den Besuch beim Hausarzt ersetzen. Andererseits wäre aber auch kein Arzt derart gößenwahnsinnig, dass er eine vollendete Therapie veröffentlicht, die er sozusagen für allgemeingültig erklärt.

    Zwei Dinge müssen sich ändern:

    1. Dem Anleger muss bewusst sein, dass es keine allgemeingültigen Empfehlungen geben kann. Er soll sich gerne belesen (macht meine Arbeit einfacher), um vorbereitet in eine Beratung zu gehen. Er soll aber spätestens dann misstrauisch werden, wenn ihm ein Journalist eine pauschale und einfache Lösung verkaufen will.

    2. Die Journalisten müssen sich ihrer Verantwortung bewusst werden und selbst immer wieder auf die Notwendigkeit einer persönlichen Beratung hinweisen. Sie müssen auch in ihrer Rethorik klar zum Ausdruck bringen, dass sie mit ihren Berichten keine pauschale Empfehlung geben können. Manchmal hat man den Eindruck, dass man sich dort in Konkurrenz zu den Finanzberatern sieht. In erster Linie ergänzen sich beide Berufe allerdings, wenn der Kunde die Zeitschrift kauft/die Sendung schaut, sich dort vorab informiert, und dann zum Vermögensberater geht.

    Es wird immer wieder mit dem Finger auf die Berater gezeigt, allerdings gab es in den letzten Jahren genug Beispiele, wo die Kunden von den Journalisten direkt ins Verderben geschickt wurden. Das beginnt bei den Redakteuren von Finanztest, die sich 2002 in peinlichster Art und Weise bei der RiesterRente geirrt haben. Und es endet bei der BILD, die mittlerweile den Ruf erlangt haben, dass man seine Aktien spätestens dann verkaufen sollte, wenn die BILD reißerisch zum Kaufen rät.

  5. Wolfgang Stadler, 31. Mai 2010 um 18:50 Uhr

    Ist nicht mittlerweile sogar finanzmathematisch belegt, dass fondsgebundene Rentenversicherungen unter Berücksichtigung von steuerlichen Aspekten sowie Tauschgebühren Fondssparpläne um Längen schlagen (können)?…

    Wie immer im Leben – es gibt keine pauschale Strategie – jeder Mensch muss individuell beraten werden. Sicher gibt es den einen, der einen Banksparplan braucht, der andere einen Fondssparplan – und auch einige, die Rentenversicherungen brauchen – je nachdem, welche Situation / Vorstellung der Kunde hat. Dafür sind wir DVAGler hervorragend ausgestattet…

  6. Wolfgang Stadler, 31. Mai 2010 um 18:52 Uhr

    @ Dr. Lach – danke für Ihre nachdenkliche Aussage:

    “Natürlich kann dies im Einzelfall während der Vertragslaufzeit zu finanziell schwierigen Situationen führen, wenn Liquiditätsengpässe auftreten.”

    Der Versicherungsvermittler, der nur Versicherungen verkauft ist hier wie jeder andere Produktverkäufer klar im Nachteil, wenn ein Allfinanzberater eine komplette Strategie mit dem Mandanten erarbeitet – dabei sollten solche Liquiditätsengpässe schon im Vorfeld bedacht sein.

  7. Norbert Balzer, 31. Mai 2010 um 20:42 Uhr

    @ Wolfgang Reinhardt & Harri Schultze und Kollegen

    Danke für Ihre Statements.

    Das folgende Zitat habe ich auf der n-TV Seite gefunden. Hier ging es um die vorübergehende Schließung von Immobilienfonds.
    ZITAT…
    Wer in einem Fonds “gefangen” ist, der vorübergehend geschlossen ist, hat grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Warten, bis der Fonds wieder öffnet, oder die Anteile sofort über die Börse verkaufen. “Darüber hinaus sollte geprüft werden, ob eine Klage wegen Falschberatung in Frage kommt”, sagt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale NRW.

    Ich bin mir nicht sicher, ob Frau Oelmann sich da nicht ein wenig zu sehr aus dem Fenster lehnt. Das Wort „Falschberatung“ in diesem Zusammenhang zu nennen könnte das Begehren entflammen, die Ratschläge ein wenig genauer unter die Lupe zu nehmen.

    Ich bin gespannt ob die Renditen der TOP-Drei- Immofonds, in den nächsten Monaten vielleicht doch ein wenig über den der aktuellen Festzinsen oder Bundesschuldverschreibungen liegen werden. Ob es sich jedoch um eine strafbare Fehlberatung handelt, wage ich zu bezweifeln.

  8. Harri Schultze, 31. Mai 2010 um 22:24 Uhr

    @Norbert Balzer

    Herrjee – zumindest inhaltlich sollte man von der Verbraucherzentrale mehr erwarten können. Schließlich nehmen die dem Verbraucher ja ein Honorar für Ihre Beratung ab.

    Die Maßnahmen bei den offenen Immobilienfonds dienen doch gerade dem Verbraucherschutz, damit nicht durch zu großen Mittelabfluss institutioneller Anleger die Substanz eines Fonds gefährdet wird.

    Wer kann das denn bitte mal den Verbraucherschützern erklären.

    Da werden doch die Verbraucher mehr verwirrt als informiert. Und es werden Ängste geschürt, die nur dazu führen, dass die Verbraucher resignieren.

    Ein wahrer Schutz des Verbrauchers wäre ihm deutlich die Folgen einer mit Sicherheit zu erwartenden hohen Inflation vor Augen zu führen UND ihm auch Lösungswege zu empfehlen.

    Ein wahrer Schutz des Verbrauchers wäre ihm deutlich die Folgen des demographischen Wandels für seine individuelle Situation im Alter vor Augen zu führen UND ihm auch Lösungswege zu empfehlen.

    Ein wahrer Schutz des Verbrauchers wäre ihm Ängste zu nehmen und ihn durch individuelle bedarfsgerechte Vermögensplanungen zum intelligenten Sparen zu motivieren.

    Naja – dann müssen wir das eben wieder machen 😉