Vom Mißbrauch einer guten Idee

21. Februar 2010 | 1.035 mal gelesen

Bei rund 50.000 Euro liegt aktuell die Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung, die für Angestellte auch die Versicherungspflichtgrenze ist.

Von Jahr zu Jahr steigt diese an und zwingt so auch viele durchaus ordentlich verdienende Menschen, die auf die staatliche Hilfe einer Sozialversicherung gar nicht angewiesen wären, zum Verbleib in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Mit der ursprünglich guten Idee der GKV hat dies nichts mehr zu tun. Denn diese wurde eingeführt, um Arbeitern mit sehr niedrigem Einkommen ärztliche Versorgung zu ermöglichen. Damals bestand keine Versicherungspflicht, sondern eine Versicherungsberechtigung in der GKV, das heißt, versichert wurde nur der, dessen Einkommen sehr niedrig angesetzte Grenzen nicht überschritt. Alle anderen, so das Subsidiaritätsprinzip, sollten für sich selbst sorgen. Daraus entstanden private Krankenversicherungen und berufsständische Selbsthilfeeinrichtungen wie Versicherungsvereine.

Heute ist es genau anders herum: Die Menschen werden gezwungen, in die GKV einzuzahlen, sehr viele davon mit Einkommen, die keiner besonderen Fürsorgepflicht des Staates bedürfen. Die Politik hat sich damit zunehmend vom Subsidiaritätsprinzip entfernt und tut es leider weiter.

Richtig im Sinne der guten Idee der gesetzlichen Krankenversicherung wäre deshalb, die Pflichtgrenze nach und nach abzusenken. Eine Idee mit wohl wenig Aussicht auf Umsetzung.


Kommentare für diesen Artikel (3)

  1. s.v., 21. Februar 2010 um 12:53 Uhr

    Weiterhin störe ich mich am Modebegriff “GKV”, denn dieser ist vollkommen falsch gewählt. Handelt es sich doch tatsächlich nicht um Gesetzliche KrankenVersicherungen, sondern um Gesetzliche KrankenKassen. Ich denke, man sollte nicht auf Augenhöhe heben, was nicht auf Augenhöhe ist.

  2. , 21. Februar 2010 um 13:24 Uhr

    @ s.v.

    Da ist wahrlich etwas dran. Der Begriff ist zwar formal in Ordnung, da die GKV Teil der gesetzlichen Sozialversicherung ist. Dennoch funktioniert die GKV nicht nach Versicherungsprinzipien, sondern nach dem Umlageverfahren. Insoweit ist die Bezeichnung “Versicherung” tatsächlich irreführend.

  3. M. S., 22. Februar 2010 um 11:50 Uhr

    Ein Allgemeinmediziner bekommt pro Quartal 31,38 Euro pro (Kassen-)Patient. Dies macht bei durchschnittlich 800 Patienten (Scheinen) im Quartel runde 25.000 Euro.

    Hört sich im ersten Moment viel an, aber auf den Monat umgerechent sind das gerade mal 8.000 Euro – BRUTTO. Minus Gehalt für 2 Sprechstundenhilfen, MINUS Miete, Strom, Heizung, Leasing med. Geräte usw.
    Jeder kann sich ausrechnen, dass hier nicht viel übrig bleibt.

    Wieso funktioiert es trotzdem: Weil es runde 8 Mio Privatversicherte (=10% der Bevölkerung) gibt, bei denen der Arzt entsprechend mehr abrechnen kann. Dadurch wird die flächendeckende Versorgung aufrechterhalten.

    Was bringt eine Abschaffung der Privaten Krankenversicherung, wie es einige nicht nur linke Politiker fordern:

    – der Arzt erhält für die bisher privat versichteren Patieten gerade mal 10% mehr an Geld (statt 72 Mio sind dann 80 Mio gesetzlich verischert), was ungefähr mtl 800 Euro mehr bedeutet. Ich bin mir sicher, dass dies zu einer noch stärkeren Schliessung von Arztpraxen nicht nur auf dem Lane führen wird.

    – Die Argumentation dass dadurch mehr Beiträge in die GKV fliessen ist auch nicht richtig, da bereits heute viele PKV-Versicherte für die Mehrleistungen bereits sind, höhere BEiträge zu bezahlen. Bei nur noch gesetzlichen Leistungen sind auch die zu zahlenden Beiträge niedriger, ganz zu schweigen von den beanspruchten Leistungen aus der GKV.