DVAG nochmals zu Verbraucherzentralen

9. Februar 2010 | 625 mal gelesen

In unserem Blog-Beitrag vom 30. Januar 2010 haben wir bereits über verdeckte Beratungstests in Verbraucherzentralen berichtet. Das Versicherungsjournal bringt nun in seiner Ausgabe vom 9. Februar weitere Details zutage: 

  1. Je nach Verbraucherzentrale dauerte die Beratung für die immer identischen Testszenarien zwischen 30 Minuten und zwei Stunden. Eine erstaunliche Spreizung!
  2. Zwischen 45 und 120 Euro mußten die Testkunden bezahlen – extreme Preisunterschiede also für ein und die gleiche Leistung.
  3. In drei von neun Beratungen erkundigte sich der Berater der Verbraucherzentrale nicht nach den Zielen und Wünschen des Kunden.
  4. Die Risikobereitschaft des Kunden wurde in nur einem Fall erfragt, obwohl Kapitalanlageprodukte als Lösung vorgeschlagen wurden.
  5. Die Abfrage bereits bestehender Verbindlichkeiten erfolgte nicht immer.
  6. Nur vier von neun Gesprächen ließen insgesamt einen “roten Faden” erkennen.
  7. In nur zwei Fällen wurde Beratungssoftware verwendet.
  8. In sechs von neun Fällen wurden die Beratungsinhalte lediglich handschriftlich auf formlosem Papier dokumentiert.
  9. Die Versorgungslücke wurde nur einmal konkret und einmal als “fiktiver Betrag” beziffert.

Kein Wunder also, dass die Berater der Verbraucherschützer bei den Produktempfehlungen bei derart schlampiger Grundlagenarbeit total unterschiedlich agierten, obwohl die Testkunden immer den gleichen Bedarf angaben.

Bekanntlich müssen die Verbraucher mehrere Wochen warten, bis sie einen Beratungstermin bei einer Verbraucherzentrale bekommen. Ob sich das lohnt?

Und bei diesen Testergebnissen drängt sich schon die Frage auf, warum die gesetzlichen Vorschriften zur Sachkunde und Dokumentation für Verbraucherzentralen nicht gelten.

Fest steht aus Sicht der Deutsche Vermögensberatung DVAG: Die von den Verbraucherzentralen immer wieder geäußerte Kritik an anderen Beratern mag im Einzelfall berechtigt sein, wer aber selbst so schwach berät, sollte zunächst den “eigenen Stall” in Ordnung bringen.


Kommentare für diesen Artikel (5)

  1. Uwe Dreyer, 9. Februar 2010 um 11:32 Uhr

    Bei Partnern meiner Struktur sowie mir selber ist es auch schon zum “Fernduell” mit “Beratern” der VZ gekommen. Oft wird leider einfach nur pauschal gescholten, ohne wirklich fundierte Begründungen oder echte Alternativen (wie auch?!). Schade ist nur, dass niemand die Kunden vor den “Verbraucherschützern” schützt. Aber das sind ja altbekannte Situationen. Vielleicht können ja hier andere (nämlich unsere) Interessenvertretungen, wie der BDV, noch mehr Gewicht in die Waagschale werfen und für mehr Gleichheit bzw. gleiche Standards und Einhaltung gesetzlicher Regelungen durch alle sorgen.

    Frohes Schaffen an alle redlichen Berater !

  2. Sebastian Meysel, 9. Februar 2010 um 17:33 Uhr

    Egal ob Beratung auf Provision, Honorarbasis oder durch Verbraucherzentralen, in Zeiten, in denen alles am besten weltweit, wenigstens jedoch EU-einheitlich gestaltet sein muss, kann es doch wirklich nicht sein, dass für die verschiedenen Beratungsmodelle keine einheitlichen Regelungen existieren, was Sachkunde, Qualifikation und vor allem Haftungsregelungen betrifft.

    Hier muss endlich eine einheitliche Regelung her, welche für alle gilt.

    Auch von mir frohes Schaffen und einen schönen Abend.

  3. Marcel Costin, 9. Februar 2010 um 22:21 Uhr

    Die offizielle Webpräsenz des Bundesverband Deutscher Vermögensberater (BDV):

    http://www.bdv.de

    Das Sprachrohr in die Politik, mit inzwischen über 10.000 Mitgliedern. Hier erfährt man auch etwas über die Grundsätze des Vermögensberaterberufes.

  4. Steffen Huber, 10. Februar 2010 um 09:58 Uhr

    Das “härteste” was ich über eine Verbraucherzentrale erfahren musste, ist folgendes. Ein Kunde von mir hat eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Bei diesem Kunden wurde vor kurzem eine schlimme Augenkrankheit festgestellt, wodurch er höchstwahrscheinlich Berufsunfähig wird. Mein Kunde hat sich von einer Verbraucherzentrale beraten lassen, da er arbeitslos geworden und das Geld knapp ist. Obwohl unser Kunde seine Augenkrankheit angesprochen hat, sagte doch diese “Beraterin” zu ihm : “Kündige diesen Vertrag” und das, obwohl er kurz vor der Berufsunfähigkeit steht. Was will man dazu noch sagen ???

  5. Wolfgang Reinhardt, 10. Februar 2010 um 12:26 Uhr

    Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: In 5 der 9 Kritikpunkte geht es um die Phase der Analyse der Ist-Situation. Wir reden nicht einmal über die eine oder andere Produktempfehlung, über die sich stets trefflich streiten lässt, nein! Die VBZ versagt bereits beim Warmlaufen, unglaublich!

    Wir wissen es besser als alle anderen: Die korrekte und genaue Aufnahme der Ist-Situation ist keine Frage der Qualifikation, sondern eine Frage der Einstellung und der Haltung. Will ich dem Kunden wirklich helfen? Bin ich ernsthaft intereesiert, mich auf den Kunden einzulassen? Auch langfristig? Bin ich Dienst-Leister?

    Vielleicht lernt die VBZ nun endlich, dass Finanzdienstleitung anspruchsvoller ist, als dem Verbraucher den geeigneten Kühlschrank zu empfehlen!

    Sie sollten das Spielfeld verlassen, bevor der Schiedsrichter anpfeift. Ansonsten droht eine Blamage!