DVAG meint: Unzumutbar

2. Februar 2010 | 676 mal gelesen

Die Regulierung des Vermittlermarktes ist inzwischen so weit überzogen, dass selbst die Politik einräumt, teilweise über das Ziel hinaus geschossen zu sein. So bedarf es z.B. zur Zeit für die Vermittlung einer Riester-Rente und die Dokumentation des Beratungsgespräches im Rahmen unserer Beratung aufgrund gesetzlicher Vorschriften 6 Unterschriften und 42 Seiten Papierausdruckes.

Zum 1. März 2010 steht nun die nächste “Kapriole” an: Versicherungsvermittler müssen auf ihren Visitenkarten nicht mehr nur die Anschrift des Ombudsmannes angeben, sondern auch die Gebühren (Festnetz und Mobil), die dem Kunden durch Anruf beim Ombudsmann entstehen.

Es ist inzwischen so weit, dass Visitenkarten von Versicherungsvermittlern jegliche “Symphatie” verloren haben und stattdessen aussehen, wie das Kleingedruckte in Allgemeinen Geschäftsbedingungen.

Bleibt für alle Beteiligten die Hoffnung, dass der Kunde zukünftig auf der Suche nach seinem Berater vor lauter Information nicht dessen Telefonnummer mit der des Ombudsmannes verwechselt. Denn das würde zu einer weitgehenden Verzerrung der Beschwerdestatistiken des Ombudsmannes führen, diesem aber ein deutlich weiter gehendes Bild über das Aufgabenspektrum von Versicherungsvermittlern nahebringen. 😉

Natürlich haben wir die neue Vorschrift für unsere Vermögensberater längst umgesetzt. Kopfschütteln bleibt dennoch, nicht nur bei uns.


Kommentare für diesen Artikel (13)

  1. Ralf Cormaux, 2. Februar 2010 um 10:16 Uhr

    Ich bin dafür, dass wir zukünftig zur Sicherheit des Kunden auch noch einen Fingerabdruck, ein Lichtbild sowie eine von einem Notar beglaubigte Legitimationserklärung aufdrucken.

    So langsam könnte der Staat dann auch ein Pflichtformat, z.B. DINA4 vorgeben oder die Verpflichtung aussprechen, dass jeder Vermittler neben den Versicherunsgbedingungen und Beratungsprotokollen auch noch zusätzlich eine Lupe zur Kundenverwendung aushändigt. So kann der arme Bürger dann auch die Rückseite auch noch entziffern.

    Verbraucherschutz ist gut und wichtig, nur wo führt denn das noch hin?

  2. Ralf Cormaux, 2. Februar 2010 um 10:19 Uhr

    Herr Lach, gibt es eigentlich schon Diskussionen innerhalb des Vorstands bzw. der Rechtsabteilung, ob wir zukünftig unser Gewerbe auch noch um Druckereidienstleistung erweitern müssen? 😉

    Selbst unsere Kurzausdrucke sind ja schon übertrieben lang.

  3. Sebastian Meysel, 2. Februar 2010 um 11:00 Uhr

    Wie Kollege Cormaux schon sagte: Verbraucherschutz ist gut und wichtig, aber, wo war der Verbraucherschutz, als z. B. Lehman-Zertifikate noch hoch im Kurs standen? Waren es nicht auch die sog. Schützer, welche den Kunden won den Grundnahrungsmitteln der Finanzbranche abrieten, mit der Begründung: zu wenig Rendite, zu hohe Kosten??

    Damit tragen sie doch eine Mitschuld an der Tatsache, dass viele Ihr Geld verloren haben, weil sie mit diesen Aussagen Tausende indirekt in solche Anlagen gelotst haben, da das Standardisierte angeblich nicht mehr tauglich war.

    Je bürokratischer die Auflagen für unseren Berufsstand werden, umso schwieriger wird es doch für den Verbraucher, objektiv eine Entscheidung zu treffen.

    Oder dient die ganze Massnahme, notleidende Anwaltskanzleien zu retten, damit diese mit Abmahnungen neue Geldquellen erschliesen können?

    Warum ist der Ombudsmann nicht über eine normale Ortseinwahl erreichbar, dann gäbe es diese Diskussionen gar nicht .

    Mit Verbraucherschutz hat das nichts mehr zu tun, viel mehr wird dadurch wieder ein hoher Aufwand für jeden einzelnen erzeugt, welcher uns vom eigentlichen Tagesgeschäft abhält.

  4. Joachim Trapp, 2. Februar 2010 um 13:34 Uhr

    Das Thema “Regulierung des Vermittlermarktes” kann man auf den Punkt bringen: Das was ursprünglich damit erreicht werden sollte, nämlich die schwarzen Schafe der Branche nachhaltig aus dieser zu entfernen ist misslungen. Im Gegenteil: Dem Kunden wurde durch diese Maßnahme der Registrierung suggeriert, dass alle registrierten Berater ja sauber arbeiten müssen, da sie ja eben auch eine Registrierungsnummer erhalten haben. Somit ist in jüngster Zeit die Wachsamkeit der Verbraucher auch auf ein Minimum gesunken, so dass Vermittler ein noch leichteres Spiel haben, gerade wenn es um Produkte mit nicht kalkulierbaren hohen Risiken wie stille Beteiligungen, geschlossene Immobilienfonds oder z.B. Zertifikate geht.
    Hier hat Prof. Dr. Reinfried Pohl ein ganz feines Näschen gehabt in dem er diese Produkte immer ablehnte und niemals zum Bestandteil einer Beratung durch einen Vermögensberater der Deutschen Vermögensberatung machte. Man kann niemals schwarze Schafe ausschließen, aber man kann als Gesellschaft High-Risk Produkte ausschließen und damit schon einmal mehr erreichen als alle Regulierungsmaßnahmen bisher zusammengenommen.

  5. Wolfgang Stadler, 2. Februar 2010 um 22:55 Uhr

    noch ein kleiner Gedanke am Abend… der Staat wollte mit seinem Beratungsprotokoll dem Bürger mehr Schutz vor Falschberatung bieten. Wieviele Kunden lesen das Protokoll? Hat der Staat nicht den schwarzen Schafen Tür und Tor geöffnet, den Kunden auch noch sämtliche Rechtswege zu verschließen – weil diese auf nicht gelesenen Protokollen etwas unterschrieben haben, das sie gar nicht wussten und machen wollten. In der Theorie alles wunderbar – in der Praxis leider nicht. Ach ja, falls es jemanden interessiert – ich lese das Protokoll bzw. die Begründung immer vor 🙂

  6. Ralf Cormaux, 9. Februar 2010 um 12:46 Uhr

    Gerade habe ich die Information in unserem Intranet gelesen, dass wir wieder einmal neue Visitenkarten zum 01.03.2010 bestellen dürfen. Wir haben ja leider nur die Festnetznummer gebührenmäßig auf unseren Visitenkarten erfasst. Nun möchte Herr Staat aber unbedingt auch die Mobilfunkgebühren haben.

    Wer zahlt uns Beratern eigentlich diese wirklich unnötigen Kosten? Wieso gibt es keine Übergangsfristen? Wieder einmal dürfen wir neue Kärtchen bestellen sowie bezahlen, wo ich vor kurzem erst 500 Stück neu bestellt hatte. Das ist schlichtweg unverschämt, wie wir als Vermittler, Helfer des Bürgers und teils auch hohe Steuerzahler behandelt werden. Sicher, es sind nur ca. 50 Euro. Aber bloß für eine Mobilfunkgebühr? Ich jedenfalls bin stinksauer!!! 🙁

    Weiß jemand hier wie hoch die Strafe ist, wenn ich einmal erwischt werde, dass nur die Festnetzgebühren auf den Visitenkarten stehen? Wenn ja, dann schreiben Sie mir bitte.

    Lieber Gesetzgeber (meine gedanklichen Schimpfworte als Alternativansprache spare ich mir an der Stelle, da sie sicher zensiert werden würden.), es wäre schön, wenn mal wieder eine andere Berufsgruppe in den Focus rückt – genug ist genug!

    Gruß aus Willich von einem Vermögensberater, der sich ziemlich verschaukelt vorkommt.

  7. Ralf Cormaux, 9. Februar 2010 um 12:48 Uhr

    Im Übrigen habe ich gestern und heute wieder jeweils 5 Unterschriften ohne Nachlesen des Antrags von Kunden erhalten und ein lautes Stöhnen, was dieser Blödsinn soll. Ich glaube, unsere Politiker verlieren so langsam zu unserer Branche jeden Bezug zur Bodennähe und damit an die Bürgerbedürfnisse.

  8. Wolfgang Stadler, 9. Februar 2010 um 14:02 Uhr

    Halten wir fest – 95% der Kunden lesen das Protokoll nicht und die meisten davon wollen´s auch gar nicht vorgelesen bekommen. In der Theorie möchte der Staat die Bürger schützen, da diese ja dann das Beratungsgespräch protkolliert bekommen. In der Praxis siehts so aus, dass unseriösen Anbietern/Vermittlern nun Tür und Tor aufgestossen wurde, da diese protokollieren, was Ihnen selbst hilft – und bei einer Klage sieht der Kunde mit dem Fernrohr ins Gebirge, er hat´s ja unterschrieben. Wie sehen die Kollegen / Blogger das?

  9. Heinrich Kardorf, 9. Februar 2010 um 14:20 Uhr

    Bravo!!!

    Ich stimme voll zu und kann mich vor Lachen kaum halten.

    Ich wollte es lange nicht sagen aber liebe EU Politiker und Verbraucherschutz-so-genau-nehmer-das-es-jedem-Kunden-Angst-und Bange-wird

    “Ich habe im Januar um die 50 Anträge von Kunden unterzeichnen lassen, jeder einzelne mit mindestens zwei nötigen Unterschriften (bei manchen sind es weitaus mehr) und keiner – Kein einziger Kunde! hat sich das durchgelesen. Nein es war eher so wie der Kollege Cormaux beschrieben hat, die Kunden stöhnen und beschweren sich wofür das alles nötig sei.

    Volltreffer für den Verbraucher(Verunsicherungs)Schutz

  10. Wolfgang Reinhardt, 9. Februar 2010 um 16:05 Uhr

    Falsch verstandener Verbraucherschutz produziert unmündige Bürger!

    Wollten die Politiker nicht immer das Gegenteil, und ganz nebenbei noch Bürokratie abschaffen?

    Ich bin verwirrt!

  11. Uwe Dreyer, 9. Februar 2010 um 17:08 Uhr

    @ R. Cormaux:
    Manchmal fasst man sich echt an die Stirn, oder ?! Jede dumme Werbung darf gezeigt werden (“Festnetz …, mobil viiel höher”) und wir dürfen mal wieder “Volksvertreter”-Wünsche umsetzen … Echt albern ! Aber gucken Sie mal genau auf Ihre ziemlich neuen Karten ! Ich habe vor einigen Wochen neue bekommen und da steht schon alles richtig drauf ! Danke Zentrale für’s “früher wegen später schon mal draufdrucken” !!!

    Ich drücke möglichst vielen “Glückspilzen” die Daumen ;o)

  12. Ralf Cormaux, 10. Februar 2010 um 10:11 Uhr

    @ Wolfgang Stadler

    Vollkommen richtig. Die schwarzen Schafe der Branche sichern sich durch die Beratungsprotokolle noch mehr ab. Volltreffer der Verbraucherschützer, oder? Da wir Berater auch Verbraucher sind, wollten die Schützer sicher einmal die Seite wechseln und dieses Mal die Vermittler schützen. 🙂

    @ Wolfgang Reinhardt

    Verwirrt bin ich auch. Aber wenn es immer noch keine Steuererklärung auf dem Bierdeckel gibt, wie vor Jahren angekündigt, warum dann nicht einfach raus aus dem Amt und den Rest der Bevölkerung durch den Bürokratieaufbau auch noch zumüllen. So gewöhnen wir Bürger uns mehr daran.

    Grüße aus Willich
    Ralf Cormaux

  13. Wolfgang Reinhardt, 10. Februar 2010 um 12:17 Uhr

    Ich fordere: Jeder Volksvertreter, der mit dem Thema Verbraucherschutz zu tun hat, wird verpflichtet, ein (natürlich unentgeltliches) Praktikum in einer Direktion oder Geschäftsstelle beim Branchenführer DVAG abzuleisten!

    Wäre doch hilfreich, wenn der Politiker mal einen Kunden kennen lernt, oder?