DVAG zu 8 Euro

26. Januar 2010 | 911 mal gelesen

Anhebung des Beitragssatzes, jährliche Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze, Praxisgebühr und aktuell 11 Mrd. Euro Staatszuschuss aus Steuermitteln – all dies zeigt: Die gesetzlichen Krankenkassen haben schwer zu kämpfen.

Insoweit erstaunt es nicht, dass nunmehr eine letzte Bastion fällt: Die direkte Vereinnahmung von Beiträgen bei den Versicherten mit 8 Euro pro Monat. Wahrscheinlich ist dies nur der Einstieg.

Worauf noch nicht hingewiesen wurde ist, dass die Kassen mit diesem Schritt einen gewaltigen Verwaltungsaufwand auslösen. Dazu einige erste Gedanken:

  1. Die Kassen benötigen jetzt von jedem Versicherten die Bankdaten, um den monatlichen Beitrag abrufen zu können. Das war bisher nicht erforderlich, da die Beiträge von den Arbeitgebern abgeführt werden. 
  2. Wenn die Bankdaten nicht stimmen oder sich ändern, gibt es Fehlbuchungen, die aufwändig korrigiert werden müssen.
  3. Was geschieht, wenn das Konto des Versicherten keine Deckung aufweist oder dieser nicht überweist? Wird dann ein Mahnverfahren aufgesetzt?
  4. Soll es Härtefall-Regelungen z.B. für Sozialhilfeempfänger geben?
  5. Was geschieht mit dem Versicherungsschutz, wenn ein Versicherter die 8 Euro nicht bezahlt? Erlischt dieser? Wenn ja, wie erfährt der Versicherte das? Ebenso, wenn der Versicherunhgsschutz wieder auflebt. 
  6. Wie erfahren ggf. Ärzte und Krankenhäuser davon, wenn ein Versicherter keinen Versicherungsschutz mehr hat? Behandeln die dann auf eigene Rechnung? Können sie dem Patienten das Honorar direkt in Rechnung stellen?

Alle diese Fragen werden die Kassen beantworten und dafür Regelungen finden.

Ebenso sicher ist aber auch, dass dafür ein großer zusätzlicher Verwaltungsapparat aufgebaut werden muss, und auch dessen Kosten müssen die Versicherten bezahlen.


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Kommentare für diesen Artikel (7)

  1. Ralf Cormaux, 26. Januar 2010 um 11:20 Uhr

    Guten Tag liebe Leser,

    diese ganze Beitragserhebung ist doch wirklich eine einzige Farce. Das kann doch nicht einmal kostendeckend sein für die Verwaltung des Beitrags, wie soll das dann noch bei der Gesundheit bzw. deren Kostendeckung helfen. Die Kassenvorstände müssten doch verhaftet werden wegen Veruntreuung, sobald sie mehr als die 8 Euro erheben. Durch das ganze dann erforderliche, noch aufwändigere Procedere der Einkommenserhebung können die Kassen doch nur bei einem dicken Minus landen.

    Was haben sich die Politiker bloß dabei gedacht? Wolten Sie mit der Abbuchung bei den Bürgern mehr transparenz schaffen? Die Arbeitgeber hätten es doch wesentlich leichter gehabt, die Zusatzbeiträge abzuführen. Wieso muss bei uns immer alles so kompliziert geregelt werden?

    Unabhängig davon wird doch der ganze Zusatzbeitrag auch nicht verhindern, dass eine neue Reform her muss. Kopfpauschale wir kommen! Unsere Sozialsysteme sind vom Aussterben bedroht. So lange Poliker nur an Wiederwahlen bei Ihren Entscheidungen denken bzw. denken müssen, wird sich kaum einer trauen, die echten Fakten auf den Tisch zu legen.

    Gut für uns Vermögensberater, dass komplizierte Sachverhalte geschaffen werden, die Menschen in Sachen Finanzen immer mehr Hilfe benötigen und uns das auch danken. Wie unser Gründer Dr. Pohl schon sagte: Menschen brauchen Menschen. Das INternet ist keine Beratungsalternative sondern nur eine Informationsquelle. Dennoch ist es auch traurig für alle Betroffenen.

    Gruß aus Willich
    Ralf Cormaux

  2. M. S., 26. Januar 2010 um 13:45 Uhr

    @ Ralf Cormaux

    Gerade weil das Internet eine Inforamtionsquelle ist, halte ich es nicht für sinnvoll im DVAG-Blog gegen die Vorstände von gesetzlichen Kassen zu schimpfen. (Veruntreuung wäre übrigens ein Straftatbestand). Auch den Politikern als gesamten Berufsstand den schwarzen Peter zuzuschieben führt nur zu einer witeren Politikverdrossenheit. Dabei ist es das Gegenteil, was wir brauchen: Politisch engagierte Bürger!

    Auch der Partner der DVAG, die bisherige BKK-Fahr muss Zusatzbeiträge erheben. Aus diesem Grunde halte ich es für sinnvoller, sich mit den wahren Hintergünden zu befassen.

    Fakt ist, dass je gesünder die Versicherten einer gesetzlichen Kasse sind, desto WENIGER Geld fliesst dieser Kasse zu. Ende 2009 wurden den Kassen die Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds mitgeteilt. Insbesondere sparsam wirtschaftende Kassen wurde sozusagen der Boden unter den Füssen weggezogen.

    Wenn hier ein Schuldiger zu nennen ist, dann ist dies die damalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, aber die betrifft dies aus zweierlei Gründen nicht: Zum einen ist sie nicht mehr Gesundheitsministerin udn zum anderen meines Wissens nach auch nicht gesetzlich krankenversichert.

    Alle anderen, Kassen, Vorstände, Versicherte und Berater sind die Leidtragenden

  3. Sebastian Meysel, 26. Januar 2010 um 17:53 Uhr

    Ohne hier Frau Schmidt oder ihre Partei in Schutz nehmen zu wollen, muss man doch feststellen, dass sich kaum ein Politiker, egal welcher Coleur, an das “Tabuthema Gesundheit” bzw. die Finanzierung dieser herantraut oder herangetraut hat.

    Warum finanziert man nicht eine medizinische Grundversorgung, wie auch immer die im Detail aussehen mag, über die Einkommensteuer? Die würde doch dann jeder, bis auf wenige Ausnahmen (Geringverdiener z. B.) im Rahmen seiner Steuerschuld bezahlen. Dann wäre auch die Diskusion beendet, dass die sog. Besserverdiener nicht zum Gesundheitssystem beitragen, weil sie angeblich alle privatversichert sind.

    Die weitere Absicherung sollte dann jeder nach seinen Wünschen privat regeln, je nach dem, auf welchem Niveau er es gern hätte. Vermutlich wird diese Sache nur nie zum Tragen kommen, da wir dann eine Menge an Funktionären und Vorständen ohne zukünftige Aufgabe hätten.

    Dieser Vorschlag wurde übrigens schon im Jahre 2001 von einem Wirtschaftsprofessor eingebracht, fand aber sowohl in der damaligen Regierungskoalition als auch in der Opposition kaum Beachtung. Warum auch, 2002 waren ja Wahlen. Es ist schade, dass an bestimmte “goldene Kälber” welche zum Zeitpunkt Ihrer Erfindung wirklich gut waren, die jedoch leider nicht mehr an die veränderten Umstände, wie z. B. Demografischer Wandel, medizinischer Fortschritt angepasst wurden, nur aus der Angst heraus, Stimmen zu verlieren, nicht herangegangen wird.

  4. Ralf Cormaux, 26. Januar 2010 um 18:47 Uhr

    @M.S.

    Ich glaube, Sie haben meinen ironischen Unterton nicht erkannt. Das ist kein Schimpfen gegen die Vorstände der Krankenkasse, sondern ein ironischer Hinweis darauf, dass diese armen Kerle diese Reform nun umsetzen müssen, mit dem Ergebnis, dass das kaum etwas bringt. Sollten Sie selbst so ein Vorstand sein, wissen Sie sicher wovon ich schreibe.

    Zu der Politikschelte: Frau Schmidt war meines Wissens Politikerin. Also betrifft es doch die Politik, oder? Jemand anderes hat das ganze doch nicht maßgeblich zu verantworten. Es traut sich keiner aus der Politik so richtig daran. Wir leben nun einmal immer länger und schrumpfen in der Bevölkerungszahl in Deutschland. Da müssen Reformen her, auch wenn Sie weh tun.

  5. r.h., 27. Januar 2010 um 18:04 Uhr

    … ich bin mittlerweile davon überzeugt, das die Politik in Deutschland zu aller erst von Lobbyisten gemacht wird. Ich habe einen Beitrag von Panorama in Erinnerung, inden sich ein Politiker beklagt, dass er ohne Lobbyisten überhaupt keine”guten”!!! Informationen mehr bekäme, sondern sich alles selbst erarbeiten müsste. Dazu hätten die Volksvetreter aber aufgrund anderer Belastungen überhaupt keien Zeit mehr. Fazit: “……….!!!! ” Genau !

  6. Heinrich Kardorf, 28. Januar 2010 um 00:30 Uhr

    @r.h.

    Guten Abend

    (eigentlich müsste ich sagen gute Nacht)

    Ich möchte es mal so formulieren.

    Was denken Sie ,was Politiker sind?Was glauben Sie, was Politiker machen?Woher glauben Sie haben Politiker Ihre Informationen?

    (Um mal die Mitbürger in Schutz zu nehmen die in der Politik tätig sind ob ehrenamtlich oder nicht)

    Natürlich brauchen Politiker sog. Informationsquellen bzw. Berater d.h. aber auch das sich hier der ein oder andere Lobbyist einschleichen mag und kann.
    Die Frage ist eine ganz andere…

    Wie weit kommen wir wenn wir weiterhin auf Werbung und sog. bürgerinformierende TV Talkshows hören…
    (diese haben sicher einen informativen Charakter)
    Ist das nicht auch Politik und Meinungsmache?
    Wie sieht denn die Wirklichkeit aus? Haben Sie als einzelner Bürger eine Möglichkeit dies zu ändern? (es sei denn Sie haben hervorragende Beziehungen zu Lobbyisten)
    Außer Sie nutzen die Möglichkeiten die Sie als mündiger Bürger dieses Landes haben und nutzen das freie Wahlrecht?!!?! (ja ich weiss die alte Leier)

    Nein es geht hier um viel mehr (und bitte, ich möchte hier keine Politik machen)
    Es geht doch darum , das der einzelne (kleine) Bürger an der Politik, den Rahmenbedingungen und den Konsequenzen aus den Ergebnissen der Meinungsmacher nichts ändern kann.

    Nur welcher Bürger sieht da noch durch?
    Wer erkennt noch.. Jetzt kann ich etwas einsparen, Jetzt kann ich steuerliche Fördermöglichkeiten nutzen, jetzt muss ich aber die ein oder andere Lücke schließen weil die Solidargemeinschaft diese nicht mehr zu schließen im Stande ist.

    Dafür sind Berater notwendig.
    Notwendig um neuen Generationen
    (die uns mal versorgen sollen)

    die elementar wichtige Bedeutung von Werten in unserer Gemeinschaft sowie die unverzichtbare Eigenvorsorge, von der die unsere und gerade die zukünftige Genertation abhängig sein wird.
    (Ich spreche hier nicht nur aus meiner Erfahrung als VB sonern auch als Vater)

    Nur woher sollen die Bürger unseres Landes all diese Dinge sowie die Notwendigkeit der privaten Vorsorge erfahren , wenn nicht von jemandem der zum einen darin profesionell geschult ist,eine branchenunabhängige Erfahrung verfügt und vor allem keine Vorgaben in allen Kategorien (Umsatz,Produkte etc.) vorgesetzt bekommt.

    Faktum: An der Politik kann ich als Einzelner nichts ändern…aber es gibt hervorragende Berater die mir bei der Entscheidung helfen ,welches Medikament bzw. welche Therapie gegen mein pesrönliches Problem im Rahmen der ges. Krankenversicherung oder z.B. der Altersarmut oder sei es die Vermögenssicherung wie Haftpflicht, Hausrat oder jegliche andere Risiken helfen mag.

    Ich muss es nur tun.

    BERATEN LASSEN!!!

    einen schönen Abend wünscht

    Heinrich Kardorf

  7. Harri Schultze, 29. Januar 2010 um 01:17 Uhr

    …..sind es nur 8 Euro oder ist es der Startschuss einer neuen Zeitrechnung. Bisher waren bei Beitragserhöhungen die Arbeitgeber immer mitbetroffen und hatten eine größere Lobby gegenüber Regierung und Sozialversicherungsträgern mit Arbeitsplatzabbau und Verlagerung von Produktionen in “Billiglohnländer” zu argumentieren.
    Diese Diskussionen werden zukünftig nicht mehr geführt werden müssen. Die Weichen sind jetzt so gestellt, dass der Beitrag beliebig beim gesetzlich Versicherten abgeholt werden kann ohne auch mit einem einzigen Arbeitgeber ärger zu bekommen. Schließlich ist auch der Deckel von maximal 1% Zusatzbeitrag nur eine variable Stellgröße.
    Bei der Kostenexplosion im Gesundheitswesen, dem Einbruch der Beitragseinnahmen werden höhere Zusatzbeiträge und geringere Leistungen in den Sozialsystemen nicht ausbleiben können.
    Anstatt ewig zu diskutieren wer daran Schuld hat, sollte lieber massiv und ehrlich aufgeklärt werden. Schuld sind wir schliesslich alle, denn wir haben zu wenig Nachwuchs und sehr hohe Ansprüche an die Systeme. Fair wäre nur, das Kind auch beim Namen zu nennen, so dass jeder die Chance bekommt sich den Standard, der ihm wichtig ist, in Eigeninitiative zu gewährleisten: Ohne private Vorsorge in allen Sozialversicherungszweigen geht es nicht.