DVAG zu: Immer häufiger beim Arzt

21. Januar 2010 | 713 mal gelesen

Auf 18,1 Arztbesuche pro Jahr – Zahnärzte nicht mit gerechnet – kommt in Deutschland im Schnitt ein gesetzlich Krankenversicherter. Tendenz steigend.

So der Kölner Stadtanzeiger in seiner Ausgabe vom 20. Januar 2010.

In Schweden sind es drei Besuche pro Jahr, in Belgien, Dänemark, Frankreich, Österreich und Polen sieben Besuche.

Da stimmt etwas nicht, denn wohl kaum sind Deutsche sechsmal bzw. fast dreimal so häufig krank wie die Bürger in unseren EU-Nachbarstaaten.

Leider gibt es keine vergleichbare Statistik für privat Versicherte, wir sind aber sicher: In diesem Segment liegt die Anzahl der Arztbesuche weit unter 18 im Jahr.

Warum?

Weil es in der PKV das Instrument der Beitragsrückerstattung gibt. Weil es Selbstbehalte gibt, die weit über die Zuzahlungen der GKV hinaus gehen. Und weil der Patient die Rechnung nach Hause geschickt bekommt und so genau sieht, welch immense Kosten ein Arztbesuch auslöst.

Alles Instrumente, die zu kostenorientiertem Umgang mit dem Thema Arztbesuch motivieren.

Das Verhalten der Menschen läßt sich in den meisten Fällen nur verändern, wenn das System verändert wird. In diesem Fall trifft dies wohl besonders zu.


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Kommentare für diesen Artikel (2)

  1. Heinrich Kardorf, 21. Januar 2010 um 10:07 Uhr

    Guten Morgen Herr Dr. Lach,

    ich stimme Ihrem Beitrag zu, nur weiß ich (meine Eltern sind niedergelassene Ärzte und wir hatten das Thema letzte Woche) das der Kassenpatient ja in der Regel seinen Hausarzt besucht, welcher ihn aber wiederum zur weiteren Diagnostik bzw. Behandlung an einen anderen Facharzt überweisen muss.

    Die meisten Praxisbesuche rühren daher, das der Patient sich eben nur mal kurz diese Überweisung abholen möchte.Da dem Hausarzt damit natürlich Kosten entstehen, erfolgt in der Regel auch ein kurzes Gespräch um hier zumindest seinen zeitlichen Aufwand entlohnt zu bekommen. (aus kaufmännischer Sicht nachvollziehbar)
    Sind diese Zahlen mit eingerechnet?

    Noch zwei Beispiele welche nicht unbedingt auf den Bericht des Köllner Stadtanzeigers anspielen aber die Situation der Ärzte und gesetzlichen Kassen wiederspiegeln.

    1. Mein alter Herr (Internist) hatte bis vor ein paar Jahren in seiner sehr gut laufenden Landarztpraxis (seit 35 Jahren) einen Röntgenraum.

    Das war praktisch, denn so konnte vielen Patienten noch vor Ort eine Diagnose gestellt werden, ohne das diese erst weiter zum nächsten Arzt geschickt werden musste.

    Dann wurden im Zuge einer erneuten Reform diesen Ärzten eine solche Behandlung untersagt und auf die Fachärzte verwiesen. (Nachvollziebar)
    Also geht der Patient erst zu seinem Hausarzt, holt sich seine Überweisung ab und macht einen Termin beim Facharzt.
    Die Wartezeit (hier bei uns) für ein CT beträgt bei Verdacht auf Bandscheibenschädigung für den Kassenpatienten 6 Wochen. (früher wurde das sofort erledigt)

    Beispiel 2:

    Da wagt es doch glatt eine sehr alte Dame mit ihrer schwerwiegenden Erkrankung 14 mal im Quartal ihren Arzt aufzusuchen (das war scherzhaft gemeint ist aber so passiert) und sich ihre Medikation verschreiben/erklären/erhöhen/umstellen zu lassen.
    Alles kein Problem, dafür ist der Arzt ja da.
    Aber, was passiert ein paar Monate später – Der behandelnde und fürsorgliche Doktor bekommt hierfür eine Rechnung von der kassenärztlichen Verrechnungsstelle, da er das Maximum der möglich einzusetzenden Hilfe für diese Patientin überschritten hat.

    Sprich der Arzt soll helfen, bekommt aber gesagt – bitte nur bis zu Betrag X.

    Das wäre als wenn mein KFZ einen Motorschaden hat, ich dem Meister in der Werkstatt 100 € in die Hand drücke, ihm auf die Schulter klopfe und sage “das muss reichen, mach was daraus”

    So läuft es in unserem Gesundheitssystem und daher ist für die heutigen Generationen ein kompetenter Ansprechpartner für z.B. die private Zusatzversicherung die solche Lücken abdeckt unabdingbar.

  2. , 21. Januar 2010 um 10:45 Uhr

    Hallo Herr Kardorf, danke für die zusätzlichen Hinweise. Man sieht, das Gesamtsystem GKV hat eine Vielzahl von Mängeln. Gruss Ihr Helge Lach