DVAG zu “Fremdbucherlisten”

13. Dezember 2009 | 751 mal gelesen

“Fremdbucherlisten” – diesen Begriff kannte ich bis vor wenigen Tagen nicht.

Im Gespräch mit einem Volksbanker am Rande eines Kongresses habe ich das erste Mal davon gehört und aufmerksam gelauscht.

Was steckt dahinter? Überweist z.B. ein Kunde von seinem Sparkassen-Girokonto für seine Unfallversicherung jeden Monat 15 Euro an seine Versicherung, die nicht zum Sparkassenverbund gehört (= Provinzial), taucht der Name dieses Kunden auf einer solchen Fremdbucherliste auf.

Diese bekommt dann der Vertriebsmitarbeiter in der Sparkassenfiliale mit dem Auftrag, den Kunden anzurufen. Ziel: Den Kunden zur Kündigung der Unfallversicherung bewegen, um diese dann über die Sparkasse bei der Provinzial abzuschließen. Bevorzugt werden Kunden angerufen, die z.B. ihren Dispo überzogen haben, denn dies macht der Sparkasse die “Überzeugungsarbeit” einfacher.

Wir als DVAG halten eine solche vertriebliche Nutzung vertraulicher und geschützter Kundendaten für bedenklich. Vielleicht sollten sich Datenschützer, Wettbewerbsrechtler und Verbraucherschützer dieses Themas annehmen. Denn fest steht: Die AGB für Girokonten geben eine solche Datennutzung nicht her.


Kommentare für diesen Artikel (3)

  1. Uwe Dreyer, 14. Dezember 2009 um 11:42 Uhr

    Schade, dass sich um diese Situation so wenige Verbraucherschützer kümmern ! Aber sie sind bestimmt gerade sooo beschäftigt mit Lernen für eine fundierte Altersvorsorgeberatung … ;o) Es ist schon echt unfair mit welchen Mitteln die Banken und Sparkassen agieren ! Oder ist es nur Zufall, dass immer mehr Kunden “spontan” ihre Riesterverträge (trotz unnützer Übertragungsgebühren, Vorteile Alttarifen usw.) übertragen lassen wollen ? Naja, Kundenklau ist eben einfacher als kundenorientierte Beratung – traurig, aber wahr !

  2. Jörg Renner, 14. Dezember 2009 um 12:41 Uhr

    Was lernen wir daraus?
    Zu jeder umfassenden Beratung gehört ein Girokonto bei der Deutschen Bank!!!
    Dies ist aber leider nicht immer ganz so einfach, vor allem in ländlichen Gebieten, wo die Filialendichte der DB nicht so groß ist und auch nicht jeder Kunde seine Bankgeschäfte online durchführt.
    Vielleicht gibt es ja Möglichkeiten, wie man dies verbessern kann!?

  3. Uwe Gleser, 14. Dezember 2009 um 14:12 Uhr

    Sehr geehrter Herr Dr. Lach,
    erstmal vielen Dank für Ihre immer wieder motivierenden Beiträge im Blog.
    Sie zeigen unter Anderen sehr anschaulich die Marktsituationen auf, mit der ein Vermögensberater Tag für Tag konfrontiert wird.
    Zu den “Fremdbucherlisten”, kann ich nur sagen, wie schon Anfang des Jahres von mir gepostet, und aus sicherer Quelle im Freundeskreis, (Volksbank Berlin ) , bekannt : Das ist das erst der Anfang einer strategischen Umsetzung von nachhaltigen und systematischen “Kundenklau”!!!
    Auf der Agenda für das Jahr 2010, steht bei der Volksbank Berlin ein noch viel weitergehender ” Angriff ” auf Fremdverträge im Fokos !!!
    Ich kann nur bitten, schnellstmöglich rechtlich dagegen vorzugehen !!!!!

    Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie, ein frohes Fest und einen guten Rutsch ins Neue Jahr.

    Uwe Gleser