DVAG: Schwerwiegende Kritik an Honorarberatung

11. Dezember 2009 | 952 mal gelesen

Eine Studie mit interessanten und schwerwiegenden Ergebnissen zur Honorarberatung hat das PFI Private Finance Institute an der European Business School veröffentlicht:

Es ging um Einschätzungen von ungebundenen Vermittlern und Beratern in der Finanzbranche zur Honorarberatung, also um die Einschätzungen derjenigen, die die Honorarberatung betreiben und (teilweise) befürworten.

Einige der Ergebnisse:

  1. Mit 80% spielt die Abschlussprovision für Versicherungsprodukte auch bei ungebundenen Vermittlern die bedeutendste Rolle für das Einkommen. Honorare werden das nicht kompensieren können.
  2. Nur gut 3% der Befragten gaben an, ausschließlich gegen Honorar zu beraten. Offensichtlich ist der Markt deutlich zu klein.
  3. Rund 44% der Befragten arbeiten auf Honorar- und Provisionsbasis. Der Kunde dürfte also Schwierigkeiten dabei haben, zu erkennen, wem er gegenüber sitzt.
  4. Als Hauptgrund für die fehlende Verbreitung der Honorarberatung bei ungebundenen Vermittlern wird die fehlende Akzeptanz bei den Kunden genannt. Auch hier stellt sich die Frage nach der Relevanz des Marktes.
  5. Nur 17,9% derjenigen, die Honorar und Provision kassieren, geben im Gegenzug die volle Provision an den Kunden ab. Nur gut ein Viertel verrechnet die Provision mit dem Honorar.

Was die Umfrageergebnisse deutlich machen: Die Honorarberatung wird von vielen Beratern dazu genutzt, die Provisionsvergütung aufzubessern. Der Kunde zahlt so zwei Mal.

Wenn also Verbraucherschützer die Honorarberatung fördern wollen, sollten sie genau hinsehen, was da in der Praxis bei den ungebundenen Vermittlern und bei den sich so bezeichnenden Honorarberatern geschieht.

Wir als DVAG meinen: Jeder Berater sollte sich Im Rahmen seines Geschäftsmodells einmal und unwiderruflich entscheiden müssen: Entweder zu 100% auf Provisionsbasis oder zu 100% auf Honorarbasis mit Auskehrung sämtlicher Provisionen. Nur das fördert Transparenz. Für die Kunden nachteilige Mischmodelle sind aber heute die gängige Praxis und können – wie man sieht – sehr schnell grenzwertig werden.

Im Übrigen gäbe es nach unserem Vorschlag gerechte  “Waffengleichheit” zu den gebundenen Vermittlern, zu denen im Versicherungsbereich auch die Vermögensberater der DVAG gehören. Denn die haben nicht die Möglichkeit, beliebig bei Kunde A als gebundener und bei Kunde B als ungebundener Vermittler aufzutreten.


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Kommentare für diesen Artikel (3)

  1. Ralf Cormaux, 11. Dezember 2009 um 15:55 Uhr

    Es ist halt leicht, immer wieder nur auf den angeblich so profitorientierten, provisionsabhängigen Berater von seiten von Verbraucherschützern einzuschlagen. Diese Studie zeigt auch, was tatsächlich draußen beim Kunden los ist. Vermögensberater der DVAG werden in der Regel als “Provisionsgeier” abgestempelt. Ein angeblicher Honorarberater kassiert gleich doppelt? Wer “geiert” da mehr? Letztendlich heißt das doch nur: Sowohl bei den Provisionsorientierten Beratern als auch bei den Honorarberatern gibt es schwarze und weiße Schafe. Ein guter, provisionsabhängiger Berater wird bei seiner Beratung auch nicht das bestbezahlte Produkt verkaufen, sondern dieses in Abhängigkeit vom Kunden tun. Meine Kunden wissen das zu schätzen, wenn Sie ein gut verzinstes Sparbuch oder in der jetzigen Zeit eine Festgeldanlage mit 3% Verzinsung erhalten, für die ich keine Provision erhalte und somit sogar Geld drauf zahle, weil es mich oder mein Sekretariat Zeit kostet. In diesem Sinne wünsche ich allen fairen Provisions- und Hononarberatern eine schöne Vorweihnachtszeit.

  2. Harri Schultze, 11. Dezember 2009 um 19:42 Uhr

    Die kompetente Beratung zu so wichtigen Themen wie finanzielle Sicherheit, Lebensstandard im Alter und auch bedarfsgerechte Absicherung, sollte und darf weder von Produktgeberinteressen noch von einem Stundensatz (also dem Budget des Kunden) abhängig sein. Vielmehr muss eine branchenübergreifende und vom reinen Produktverkauf losgelöste Beratung sichergestellt werden. Das kann weder die Honorarberatung leisten noch ist die reine Information aus dem Internet oder “Testheftchen” dabei zielführend. Die Dinge sind immer im Zusammenhang und vor allem auf Basis der Lebenssituation und -planung des Kunden zu beleuchten. Das ist nur möglich mit einem kompetenten Berater an der Seite, auf den man sich unabhängig vom Beratungsbudget verlassen kann und der sich damit auf die Empfehlung seiner Kunden verlassen kann. Da fällt mir nur die Arbeitsweise der Deutschen Vermögensberatung zu ein.

  3. Herbert Friese, 12. Dezember 2009 um 13:22 Uhr

    @ Verbraucherschützer

    man kann euch eigentlich nur wünschen, dass ihr diesen Blog findet und euch schlau macht