DVAG fragt: Honorarberatung am Ende?

3. Dezember 2009 | 896 mal gelesen

Ist die Honorarberatung am Ende, bevor sie überhaupt gestartet ist?

Diesem Eindruck kann man sich nicht entziehen, wenn man liest, welche Erfahrungen die Skandia Versicherung mit diesem Thema macht. Schon seit 1995 bietet das Unternehmen provisionsfreie Nettotarife an, also genau das, was Honorarberater für ihre Tätigkeit benötigen.

Kurzfristig erreichte der Geschäftsanteil mit diesen Nettotarifen bis zu 5,5%, danach ging es stetig abwärts, und heute liegt der Anteil bei unter 0,5% des Gesamtgeschäftes, so Martina Backe, Vorstandsmitglied der Skandia Versicherung.

Hinzu kommt eine Äußerung der Bundesregierung, vetreten durch Ministerialrat Dr. Paetz, nach dem von Seiten der Bundesregierung derzeit mit keiner neuen gesetzlichen Regelung zur Vergütung von Versicherungsvermittlern zu rechnen ist. Beim bereits stark regulierten Versicherungsvertrieb sehe die Regierung keinen aktuellen Handlungsbedarf.

Noch deutlicher kann eigentlich nicht zum Ausdruck kommen, dass die Diskussion um die Honorarberatung nichts anderes ist als der berühmte “Sturm im Wasserglas”.


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Kommentare für diesen Artikel (5)

  1. Alex Schaaf, 7. Dezember 2009 um 14:14 Uhr

    Die Bereitschaft, sich gegen Honorar in Sachen Finanzplanung beraten zu lassen, liegt bei Privatkunden allerdings bei 70%. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Branchenumfrage, die u.a. vom Lehrstuhl für Bankbetriebslehre der Johannes Gutenberg-Universität Mainz durchgeführt wurde.

    Zweck der Studie war es, vor dem Hintergrund der Finanzmarktkrise zu untersuchen, ob sich bei Kunden ein neues Verständnis zur Honorarberatung entwickelt hat. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass bei über 70 Prozent der Befragten eine grundsätzliche Bereitschaft besteht, sich gegen Honorar beraten zu lassen. Dieser Anteil steigt um weitere 13 Prozentpunkte, wenn der Wegfall der Vertriebsprovision im Fall der Honorarberatung nochmals verdeutlicht wird. Wird zudem die höhere Rendite durch das kostenoptimierte Produktangebot der Honorarberater aufgezeigt, können sich insgesamt 90 Prozent der Befragten vorstellen, sich gegen ein Honorar beraten zu lassen.

    Der Neutralität wäre es sicherlich förderlich!

  2. , 7. Dezember 2009 um 14:45 Uhr

    Sehr geehrter Herr Schaaf,

    ich habe Zweifel, ob jedem Befragten im Rahmen der Befragung alle Konsequenzen der Honorarberatung aufgezeigt wurden, z.B. die voraussichtliche Höhe des Honorars bei Beratung zur Altersversorgung mit Abschluß einer Riester-Rente gegen Mindestbeitrag. In diesem Falle würde das Honorar vermutlich weit mehr als den ersten Jahtresbeitrag einschl. Zulagen aufzehren. Interessant zu wissen wäre auch, ob den Befragten bewußt gemacht worden ist, mit welchen Honorare Serviceleistungen zu Buche schlagen würden, die heute zum Teil von den Vermögensberatern der DVAG ohne jedes Zusatzentgelt geleistet werden.

    Nichtsdestotrotz: Mit Ihnen sind wir als DVAG der Meinung, dass die Honorarberatung Transparenz schaffen könnte, indem die ungebundenen Vermittler auf diese Vergütungsform verpflichtet werden. Denn diese wollen ja angeblich unabhängig beraten. Da sollte die Vergütung vom Auftraggeber kommen.

    Mit besten Grüßen,
    Ihr Helge Lach

  3. Wolfgang Reinhardt, 10. Dezember 2009 um 16:32 Uhr

    Die Financial Times meint am 5.12. dazu, die meisten Makler hätten keine Lust auf neue Vergütungsmodelle. “Bei einem Provisionsverbot steht weit mehr auf dem Spiel als nur die Courtage”, sagt Hans-Georg Jenssen, geschäftsführender Vorstand des Verbands Deutscher Versicherungs-Makler (VDVM). Einige nordische Länder haben solch ein Verbot bereits durchgesetzt. Es führte zu einem Maklersterben, da viele Kunden die Honorare nicht bezahlen wollten und keine Policen mehr abschlossen.

    Michael Heinz, Präsident des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute meint dazu: “Die Kunden wollen keine Honorarberatung”. Heinz hält die Förderung der Honorarberatung für einen “unsinnigen Eingriff in einen funktionierenden Markt”. Die Diskussion hätten in erster Linie die Verbraucherzentralen angeschoben, um letzlich direkt vom Steuerzahler zu kassieren.

    Diese Tatsachen decken sich lückenlos mit Dr. Lach’s Erkenntnissen hier in diesem Blog.

  4. , 10. Dezember 2009 um 20:49 Uhr

    @ Wolfgang Reinhardt

    Habe gerade eine sehr interessante Studie zur Honorarberatung gelesen. Morgen mehr dazu im Blog.

  5. Michael Schmid, 26. April 2010 um 10:44 Uhr

    Die Entwicklung in anderen europäischen Ländern und in USA zeigt die Tendenz. Es wird meiner Menung nach das beste sein wenn beide Systeme zusammen bestehen.
    Nicht nur die Skandia hat so ihre Erfahrungen gemacht, auch die Deutsche Bank ist mit der Honorarberatung kläglich gescheitert.
    Eine Studie durch das deutsche Verbraucherministerium beziffert den Honoraranteil an den Umsätzen britischer Finanzberater auf 12 Prozent. In Amerika arbeiteten 7 Prozent der Berater auf Honorarbasis, während es in Deutschland nur 0,3 Prozent seien.
    Ich stimme zu dass bei einem 10€ Riester Vertrag die Honorarberatung keinen Sinn macht. Allerdings ist das auch nicht das Klientel welches sich diese Beratung leisten kann – bzw. danach fragt.