Befreiungsschlag oder Panik?

20. November 2009 | 799 mal gelesen

“Die ERGO Versicherungsgruppe wird in Zukunft Lebens- und Sachversicherungen unter der Marke ERGO in Deutschland anbieten. Die Marken Victoria und Hamburg-Mannheimer werden vom Markt genommen.”

So ein Originalzitat aus einer Pressemitteilung der ERGO-Versicherungsgruppe vom 20. November 2009. Damit ein denkwürdiges Datum für die deutsche Versicherungswirtschaft!

Eigentlich war absehbar, dass es so kommen musste: Seit Jahren hat die Gruppe ein Wachstums- und Vertriebsproblem. Die HMI, der Strukturvertrieb der Hamburg Mannheimer, befindet sich seit Jahren im Abwärtstrend. Die VICTORIA Leben kann wegen gewaltiger Kapitalanlageverluste gerade noch den Garantiezins zusagen und rangiert in Produkt-Rankings regelmäßig auf den letzten Plätzen. Die Kosten der Tochtergesellschaften sind über dem Marktdurchschnitt, die Holding hat viele Funktionen an sich gezogen. Aus Insiderkreisen ist zu hören, dass die Führungskräfte der einzelnen Versicherer der Gruppe nicht einig sind. Die verschiedenen Standorte Düsseldorf, Hamburg, München und Köln erschweren den Gleichschritt. Die Markenführung für die ERGO-Tochter Karstadt-Quelle-Versicherungen war angesichts der Arcandor-Pleite ungelöst. Und zu guter Letzt erwartet die Konzernmutter Münchener Rück Fortschritt und eine “Story für die Börse”, da sie ihrerseits gegenüber Analysten und Aktionären das ERGO-Engagement rechtfertigen muss.

Was nun in diesem Gesamtszenario wie ein Befreiungsschlag aussehen soll, macht Außenstehende eher nachdenklich. Und es macht betroffen, dass es zukünftig auf dem deutschen Markt keine VICTORIA mehr gibt, 1853 gegründet und immer ein Garant für Solidität, zumindest bis zur Gründung der ERGO. Auch die Hamburg-Mannheimer mit Herrn Kaiser wird der Markt vermissen. Beide verschwinden nächstes Jahr vom Markt und gehen in der Kunstmarke ERGO auf. Damit werden auch zig Millionen Markenwert vernichtet, und stattdessen wird aller Voraussicht nach in den nächsten Jahren – wir werden es bald sehen – mit einer millionenschweren Werbekampagne der Versuch unternommen, die beim Endverbraucher unbekannte Marke ERGO aufzubauen.

All das ist aus anderen Fällen (z.B. AXA / Colonia / Nordstern; Commerzbank / Dresdner Bank) bekannt und deshalb in dieser Form gut vorhersehbar.

Dramatisch wird die Situation allerdings beim Blick auf die Vertriebe. Was mag wohl seit heute in den Köpfen der Generalagenten der VICTORIA und der Hamburg Mannheimer vorgehen? Enttäuschung? Verärgerung? Verrat? Verunsicherung? Von alledem etwas, vermute ich. So richtig zuversichtlich werden die wenigsten sein.

Nach und nach werden nun wohl ab 2010 die alten Schilder mit den Aufschriften VICTORIA Versicherung und Hamburg Mannheimer an den Agenturbüros abgeschraubt und durch Schilder mit der Beschriftung ERGO ersetzt. Alle Prospekte, Anträge und Formulare werden austauscht. Die bisherigen Vertriebsvorstände rücken in die zweite Reihe. Die Produkte werden vereinheitlicht, ebenso die Außendienstsysteme. Auf Großveranstaltungen wird versucht werden, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Vieles anderes wird geschehen, um die Vertriebe zu vereinheitlichen.

Vielleicht überlegt es sich ja doch der eine oder andere Generalagent, Kontakt mit der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) aufzunehmen. Als Familienunternehmen, das sich nur auf den Vertrieb und seine Vermögensberater konzentriert, das keiner Konzernmutter oder der Börse verpflichtet ist, das seit Jahren den Markt um Längen schlägt, das die Möglichkeit bietet, Unternehmer im Unternehmen zu sein, das mit Top-Adressen der Finanzbranche zusammen arbeitet, in dem Leistung wirklich noch honoriert wird, in dem Ausbildung und Qualifizierung höchsten Stellenwert genießen, hat die DVAG eine Menge zu bieten.

Das wissen inzwischen auch die über 1.000 Agenturen der AachenMünchener Versicherung, die vor gut 2 Jahren zur DVAG gekommen sind, sehr zu schätzen.

Wir freuen uns über jeden Anruf!


Kommentare für diesen Artikel (4)

  1. Hermann Reberg, 22. November 2009 um 11:38 Uhr

    Seit Jahren leiden die Agenturen bei den meisten großen Versicherungskonzernen, da steht die Allianz der ERGO in nichts nach. Problem ist, dass die großen Konzernstrukturen vertriebsorientierte Geschäftpolitik nicht mehr möglich machen. Am Ende leiden Vertrieb und Kunden. Diese (hausgemachten) Probleme hat die DVAG nicht. Stimmt schon: Könnte eine Alternative sein, wenn da bei Kündigung nicht der Verlust des Ausgleichsanspruches drohen würde. Aber kühles Nachrechnen lohnt sich. Vielleicht hat man das bei der DVAG nach 3 oder 4 Jahren wieder raus.

  2. Fabian Großhans, 23. November 2009 um 09:16 Uhr

    hm… fiese Geschichte, mein Beileid an Vermittler und Kunden!
    ich weiß nicht ob das hier her passt, weiß aber auch nicht wohin ich mich sonst wenden soll: ich würde gern einen Freund vor einer ähnlichen Bredouille bewahren. Der möchte jetzt nämlich in einem neuen, winzigen Finanzdienstleister, ein Ableger der AXA namentlich “PSV”, anfangen. Ich würde mich gern zum Unternehmen informieren, bzw wenn existent Erfahrungswerte einholen.
    Ein Rat wo ich nachfragen kann um nähere Infos zu kriegen wär auch super!
    Vielen Dank und beste Grüße vom Fabi.

  3. Heinrich Kardorf, 23. November 2009 um 10:56 Uhr

    Hallo Herr Großhans,

    http://www.dvag.de/heinrich.kardorf

    …der frühe Vogel fängt den Wurm ( :

    Gruß

    Heinrich Kardorf

  4. Wolfgang Reinhardt, 23. November 2009 um 12:42 Uhr

    @ Herrn Großhans:

    PSV ist der (neue) exklusive Strukturvertrieb der AXA. Einer der Köpfe ist eine ehemalige Vertriebsgröße der HMI aus Berlin.

    Beste Grüße, Wolfgang Reinhardt