DVAG Meinung: Honorarberatung kann sinnvoll sein

14. September 2009 | 913 mal gelesen

Immer wieder kursiert in den letzten Wochen und Monaten in den Medien das Thema Honorarberatung. Das Thema ist uralt:  Schon vor 20 Jahren versuchte ein Versicherer namens Transatlantische Versicherung (ist längst vom Markt verschwunden) mit eigenen Veranstaltungsreihen,  die Honorarberatung salonfähig zu machen.

Wie sieht das die DVAG? Zunächst einmal sollte der Markt und nicht der Gesetzgeber regeln, nach welcher Form Dienstleistungen vergütet werden. Zu Recht hinterfragt kein Mensch, warum der BMW- oder Mercedes-Händler seine Vergütung über den Kaufpreis bezieht und keine gesonderte Rechnung für Beratung und Verkauf stellt. 

Genauso sollte es in der Finanzbranche gehandhabt werden, wenn für den Kunden erkennbar ist, dass ein Berater für eine bestimmte Gesellschaft vermittelt. Dies trifft für alle so genannten gebundenen Vermittler,  zu denen auch wir mit unseren Vermögensberatern gehören, zu. Auf den Visitenkarten der DVAG geben wir dies gleich beim ersten Kundenkontakt zu erkennen. Deshalb wird es keinen Kunden erstaunen, wenn der Produktpartner die Vergütung stellt. 

Ganz anders ist die Situation bei den so genannten ungebundenen Vermittlern. Diese vermitteln dem Kunden den Eindruck, anbieterunabhängig agieren zu können und immer das beste Angebot zu besorgen. Hier stellt sich schon die Frage, warum ein solcher ungebundener Vermittler vom Produktlieferanten bezahlt wird. Denn das begründet zwangsläufig Potential für Interessenskonflikte. Und wer den Markt kennt, weiss genau, dass der eine oder andere der so genannten Ungebundenen bei der Auswahl der Produkte durchaus auch die Höhe der Provision im Auge hat. Honorarberatung kann also durchaus Sinn machen, meinen wir.


Kommentare für diesen Artikel (6)

  1. Bianca Häfner, 15. September 2009 um 18:59 Uhr

    Ich bin durch Zufall auf diese Seite bei der DVAG gestoßen, bei diesem Beitrag muß ich Ihnen aber weitgehend beipflichten.

    Ich geriet vor Jahren noch während meines Studiums an einen sogenannten “unabhängigen” Berater (nur für Akademiker).

    Heute muss ich feststellen, dass mir einige Verträge wohl nur aus dem finanziellen Interesse des Beraters verkauft wurden.

    Also, von wegen Unabhängigkeit oder Maklerneutralität – ich als Kundin hätte es höher geschätzt, wenn mit offenen Karten gespielt worden wäre.

    Wenn die DVAG das wirklich so macht, wie Sie schreiben, dann ist das in jedem Fall der bessere Ansatz.

  2. Dorn, Manfred, 18. September 2009 um 14:54 Uhr

    Wer bestimmt die Höhe des Honoras? Ist eine wirkliche Leistung damit verbunden? Und hat der Kunde einen Nutzen?
    Bei einer Leistungsbezogenen Vergütung steht die Leistung = Nutzen des Kunden m. Meinung nach im Vordergrund.

  3. Andree Lasthoff, 22. September 2009 um 00:32 Uhr

    Meine Beobachtungen zu angeblich ungebundenen Vermittlern ist sicherlich nicht repräsentativ.Trotzdem stoße ich in der täglichen Arbeit immer wieder auf Kunden, die angeblich “ungebunden” beraten wurden.

    Leider haben mehr als die Hälfte dieser Kunden hoch gefährliche Anlagen getätigt. Viele haben unwiderbringlich ihr Geld verloren, ohne vernünftig informiert worden zu sein.

    Eine andere Beobachtung ist, dass zumindest ein Teil der “unabhängigen” Berater trotz unterschiedlicher Lösungsanforderungen immer wieder Produkte der gleichen Gesellschaften anbieten. Das lässt zumindest Zweifel an der Unabhängigkeit aufkommen.

    Vielleicht ist die Versuchung nach zusätzlichen Vermittlungsprovisionen oft zu groß, um wirklich unabhängig zu sein und zu bleiben.

  4. Petra Brerkovic, 29. September 2009 um 15:41 Uhr

    Honorarberatung ist doch letztendlich nichts anderes als ein besserer Marketinggag. Wirklich gut und ausführlich wird das in dem von mir verlinkten Artikel beschrieben (http://asse-cura.de/blog/?p=79). Die grundsätzliche Annahme, daß Honorarberater besser beraten ist in meinen Augen schlichtweg falsch. Ein provsionsabhängiger Vermittler arbeit erfolgs(!)orientiert und ist damit vom Vertrauen seines Kunden finanziell abhängig. Und das nicht nur zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses sondern auch darüber hinaus, da die Provisionen bekanntlich ratierlich (z.T. über einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren) bezahlt werden.
    Ob eine Beratung qualitativ gut ist, hängt definitiv nicht von der Form der Bezahlung sondern vom Berater ab!

  5. hase2009, 10. Oktober 2009 um 18:55 Uhr

    Wir werden den Wandel wie in Großbritannien in den naechsten 3 JAhren vollziehen muessen. Diejenigen, die von Anfang an dabei sind duerfen sich edle Ritter nennen und tun damit sogar noch das beste, das dem Kunden passieren kann. Unabhaengige Makler und Finanzdienstleiter duerfen also weiter dazulernen und sollten sich zuegig auf die Honorarberatung einstellen.

  6. , 11. Oktober 2009 um 19:21 Uhr

    Sehr geehrter Von hase2009,

    vielen Dank für Ihren Kommentar, den ich mit Interesse gelesen haben.

    Meine These lautet: Der Gesetzgeber wird in den nächsten Jahren für die Honorarberatung die gesetzlichen Voraussetzungen schaffen, die heute mit dem im VAG formulierten Provisionsabgabeverbot noch gar nicht gegeben sind.

    Danach wird der Markt regeln, welche Vergütungsform zum Zuge kommt.

    Vielleicht haben Sie Lust, im DVAG Blog meinen Beitrag vom 11.10. zu lesen. Ich gebe der Honorarberatung nur sehr geringe Erfolgschancen.

    Mit besten Grüßen,
    Ihr Helge Lach