Wer schützt vor Verbraucherschützern?

20. August 2009 | 956 mal gelesen

Der Beitrag im VersicherungsJournal vom 19. August bringt es auf den Punkt: “Wer schützt die Verbraucher vor diesem Rat?”, so lautet die “Headline” im Nachrichtendienst.

Worauf wird gezielt? Die Verbraucherzentrale Hamburg hatte Versicherungsprodukte ohne Ausnahme als “nicht geeignet” für die Altersversorgung bezeichnet.

Das ist schon bemerkenswert, vertraut doch nahezu die gesamte Bevölkerung in unserem Lande auf private Renten- und Lebensversicherungen. Und dies zu Recht, denn nur diese Produkte berücksichtigen angemessen das “Risiko”, erfreulicherweise alt zu werden und damit einhergehend lebenslang den Lebensunterhalt auf gutem Niveau finanzieren zu können.

Professor Albrecht hat die Argumentation der Verbraucherzentrale “per Handstreich” zerlegt. Und aufgrund einer Klage musste die Verbraucherzentrale ihre Studie inzwischen vom Markt nehmen. All dies ist selbstverständlich und war dringend notwendig.

Unerhörlich hingegen ist, dass eine mit Steuergeldern finanzierte Einrichtung – und die Verbraucherzentralen leben von Steuergeldern – mit einem derartigen Maß an Inkompetenz eine ganze Branche diskreditiert und mit dazu beiträgt, die Bevölkerung beim immens wichtigen Thema Altersversorgung weiter zu verunsichern. Noch erstaunlicher ist dies, wenn man bedenkt, dass der Staat z.B. mit den Riester-Zulagen und den Steuerentlastungen im Rahmen der Rürup-Rente private Altersversorgung über private Rentenversicherungen mit Milliardenbeträgen fördert.

Immer wieder entsteht der Eindruck, dass die Verbraucherzentralen Eigeninteressen verfolgen, da sie selbst Kunden beraten. Über das vorhandene Maß an Kompetenz will ich hierbei gar nicht spekulieren. Aber die Frage stellen: Ist dies mit einem öffentlichen, steuerfinanzierten Auftrag vereinbar, zumal sich die Politik absolut gegensätzlich positioniert und die Verbraucher, die die Steuern zahlen, etwas anderes wollen?

Ich meine: Ganz klar nein! Es sollte an der Zeit sein, die den Verbraucherzentralen an die Hand gegebenen öffentlichen Mittel zu hinterfragen oder den Verbraucherzentralen die Kompetenz zu entziehen, sich weiter zu so wichtigen Themen wie Altersversorgung zu artikulieren.

Einen sehr interessanten Artikel zur ausufernden Diskussion über den Verbraucherschutz bei Finanzprodukten finden Sie übrigens auch in der Börsen-Zeitung vom 12.08.2009 (PDF).


Kommentare für diesen Artikel (2)

  1. Nick Heilborn, 25. August 2009 um 13:38 Uhr

    Kunden wissen gute Beratung zu schätzen Liebe Kollegen, liebe Bürger, Die aktuelle Thematik unterstreicht einmal mehr, worum es den Verbraucherschützern eigentlich geht: Nämlich darum, viel Wind zu machen um die eigene Existenz zu sichern! Denn die sogenannten “Verbraucherschützer” sind leider nicht das, als was sie sich selbst gern darstellen: Sie sind nicht etwa eine Art moderne Mutter Teresa, von welcher man selbstlose und unentgeltliche Hilfe erwarten würde. Nein, sie sind -und das wird gerne vergessen- eine Interessengruppe die davon lebt, dass sie den Menschen ihren KOSTENPFLICHTIGEN Rat verkauft! Leider bedienen sich diese Menschen dafür einer Methode, die sie doch sonst gern anderen unterstellen: Nämlich die eigenen Interessen über die des Kunden zu stellen und diesen gezielt so zu verunsichern, dass er zu einer KOSTENPFLICHTIGEN Beratung vorbei kommt… Es ist schon schlimm genug, dass den Verbraucherschützern jedes Mittel recht scheint, um an das liebe Geld der Kunden zu kommen, aber viel wichtiger noch ist die Frage, wie praktikabel so eine PRODUKT-Beratung denn sein soll? In den letzten Jahren haben wir doch ganz klar gesehen, dass die Verbraucherschützer ihre Meinung ändern wie ein Blatt im Winde. Erinnern wir uns doch an die Einführung der Riester-Rente, die erst heftig bekämpft, später auch von den Verbraucherschützern verstanden wurde und mittlerweile von diesen sogar beworben wird… Aufklärung tut Not! Nick Heilborn

  2. Wolfgang Reinhardt, 22. September 2009 um 11:54 Uhr

    Spiegel online berichtete gestern über den “Ampelcheck Geldanlage” der Verbraucherzentrale Hamburg. An diesem Beispiel wird klar, wie die VBZen ticken. Mit 3 Farben sind die Produkte des Marktes in gut, mittelgut und böse katalogisiert. Das war’s, ganz einfach. In weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren persönlichen Verbraucherschützer, der Sie nach einem halben Jahr Wartezeit gegen ein schmales Honorar persönlich berät. Der Arbeitgeberverbands der finanzdienstleistenden Wirtschaft (AfW) sieht das Gott sei Dank ein wenig differenzierter. Er meint, eine Honorarberatung ist nicht automatisch eine gute Beratung. Augenscheinlich drängen die VBZen in den Markt der Honorarberater. Dann würde man die Berater der Verbraucherzentralen allerdings auch im Vermittlerregister der staatlich zugelassenen Versicherungsberater bzw, was die Anlageberatung betrifft, eine Zulassung nach dem Kreditwesengesetz oder ein Haftungsdach erwarten. Doch weit gefehlt. Nach Ansicht des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (VZBV) fallen ihre Verbraucherberater nicht unter die Vermittlerrichtlinie. Das heißt: Keine Sachkundeprüfung und keine Pflicht zur Protokollierung – also auch keine Haftung. Ist das gelebter Verbraucherschutz? Fazit: Die Verbraucherschützer sind auf Grund fehlender Ausbildungsstandards wohl eher als Autodidakten zu bezeichnen. Sie sperren sich gegen jedwede Form von Dokumentations- und Informationspflichten, und sie sind nicht bereit, Verantwortung durch Haftung für Ihre Empfehlungen zu übernehmen. Ich nenne das Wettbewerbsverzerrung!